Blogfolio – Folioblog? This time, like all times, is a very good one, if we but know what to do with it. (Emerson)

  • About
  • Links
  • Schreibberatung

Drei Stufen der Schreibentwicklung

11. Juli 2011, by daspi No comments yet

 

Schreiben zu lernen erfordert im Vergleich zum Sprechen deutlich mehr Aufwand. Während der Mensch (bis auf wenige Ausnahmen) i.d.R. stets mündliche Sprachfähigkeiten erwirbt, werden kulturelle Fähigkeiten (wie eben Schreiben und Lesen) mitunter niemals erlernt (siehe hier, hier, hier und vielleicht auch hier).

Schreiben fordert unterschiedlichen kognitiven Systemen einiges an Leistung ab – Schreiben hat mit Denken zu tun, so sehr, dass Kellogg (2008) sie sogar als “twins” bezeichnet. Als Stoff können Schreibende theoretisch alles verarbeiten, was den Weg in ihr Langzeitgedächtnis gefunden hat, unter der Voraussetzung allerdings, dass die Inhalte auch verfügbar sind, dass der Schreiber also Zugriff auf sie hat. Dazu bedarf es entweder kognitiver Strategien, die schnellen Zugriff auf das Langzeitgedächtnis erlauben oder aber kognitiver Anstrengung, um den schreibend zu verarbeitenden Stoff aktiv im Kurzzeitgedächtnis zu halten – denn nur von da findet er seinen Weg auf’s Blatt. Schreiben heißt, eine Lösung für dieses Problem zu finden, Schreiben ist Problemlösen.

Weitere Probleme beziehen sich im wesentlichen entweder auf die Form (Sprache) oder den Inhalt. Argumentative Texte verlangen außerdem schlussfolgerndes Denken. Das Endprodukt, der geschriebene Text, kann dann als ein manifester Ausdruck externalisierten Wissens betrachtet werden. Als solcher ist er von anderen rezipierbar und kann für weiterführende Diskussionen genutzt werden – es entsteht eine literarische Kultur.

Eine beruhigende Nachricht für viele Schreibende wird sein: Schreiben braucht Zeit und Schreiben lernen sowieso. Vom Anfänger bis zum Experten veranschlagt Kellogg durchschnittliche 20 Jahre. Dabei kommt der Fortschritt aber nicht von allein, sondern durch Training. Wer also nicht so oft schreibt, kommt auch nicht so schnell vorwärts. Schaut man sich die Schreibentwicklung vom Kinde, über den Jugendlichen hin zum Erwachsenen an, so stellt man fest, dass der Flaschenhals für die Entwicklung die begrenzte Kapazität des Arbeitsgedächtnisses ist und die Tatsache, dass sich dieses Arbeitsgedächtnis auch erst mal entwickeln muss.

Im Wesentlichen muss der Schreiber drei Prozesse zu koordinieren lernen: die Planung, die sprachliche Ausgestaltung seiner Ideen und die Überarbeitung derselben. Für den Experten gilt es außerdem, stets unterschiedliche Repräsentationen seines Textes mit zu bedenken – er muss sich fragen: wie kommt das, was ich schreibe, bei meinem Leser an, was liest der Leser aus meinem Text, wie interpretiert er ihn und versteht er mich auch so, wie ich das beabsichtige? Für den erfahrenen Schreiber ist Leserorientierung ein wichtiger Faktor beim Texten.

Um also all diese Aufgaben – oftmals auch parallel – bewältigen zu können, muss der Schreibende Kontrolle über sie erlangen und das funktioniert eigentlich nur über eine Entlastung des zentralen Vollzugsorgans – des Gehirns. Erreicht werden kann dies einerseits über das sorgfältige Lernen von Fachwissen, das zwar im Langzeitgedächtnis abgelegt wird, auf das der Lerner aber stets schnellen Zugriff sicherstellt. Eine weitere Möglichkeit liegt in der Automatisierung des Schreibens. Auf beides gehe ich vielleicht später mal ein. Hier sollen nun erstmal drei Stufen benannt werden, die auf dem Weg vom Novizen zum Experten zu durchlaufen sind.

Schreibentwicklung: drei Stufen

1. “knowledge-telling”
Bis zum Alter von etwa vier Jahren ist es Kindern nicht möglich, die Sichtweisen anderer zu verstehen und andere Perspektiven einzunehmen. Schreiben entspricht auf dieser Stufe der 1:1-Wiedergabe der Gedanken des schreibenden Subjekts: Was will ich sagen und welcher Text bringt das am besten zum Ausdruck? Mögliche Leser werden dabei noch nicht in Betracht gezogen, wie sie den Text aufnehmen und was sie vielleicht daraus lesen ist uninteressant. Oft ist auch das Konzept “Text” auf dieser Stufe ein fluides, die Aussageabsicht ändert sich mitunter während des Schreibens. Mit zunehmendem Alter wird es leichter, eine feste Aussageabsicht mit einem Text zu verbinden. Mit der Zeit bildet sich neben einer stabilen Textrepräsentation auch eine Leserrepräsentation im Schreiber heraus – auch diese zunächst vage und fluide, jedoch zunehmend stabil. Und erst, wenn eine stabile Leserrepräsentation gegeben ist, kann diese in die Textkonstruktion mit einbezogen werden. Zusammenfassend für die erste Stufe der Schreibentwicklung: der Text ist im Grunde nichts anderes als eine Ausformulierung der Gedanken.

2. “knowledge-transforming”
Auf der zweiten Stufe überarbeitet der Schreibende seine Aussageabsicht als Folge dessen, was er während der Textentstehung bereits zu Papier gebracht hat; es existiert also eine Wechselwirkung zwischen den Ideen des Autors und dem Text. Dazu liest der Schreibende seinen Text selbst und fragt sich, was sich dem Geschriebenen entnehmen lässt. Er kann dann nochmals neu überlegen, ob der Text tatsächlich zur Aussageabsicht passt. Auf dieser Stufe wird das Schreiben zu einem Werkzeug, um Inhalte im Langzeitgedächtnis zu verankern und der Text selbst bildet dabei – anders als noch auf der ersten Stufe des “knowledge-telling” –  nur einen kleinen Teil der eigentlichen Denkprozesse ab.

3. “knowledge crafting”
Hier sind die Experten zuhause. Ein Schreiber auf dieser Stufe fragt sich nicht nur, wie ein potenzieller Leser denn die Nachricht beurteilen möge, sondern auch, wie der Text als solcher aufgenommen werden wird. Beim Schreiben auf dieser Stufe hat der Autor seinen Leser stets im Hinterkopf; er versucht,  mögliche Leserreaktionen zu antizipieren und  seinerseits quasi “präventiv zu reagieren” – v.a. beim wissenschaftlichen Schreiben, bei dem der Text mitunter an einigen Editoren “vorbei muss”, ist die Leserrepräsentation beim Autoren entscheidend. Von großer Bedeutung ist auf dieser Stufe auch das Überarbeiten. Empirische Befunde legen nahe, dass professionelle Schreiber weitaus intensiver überarbeiten und dabei auch strukturelle Veränderungen am Text vornehmen. Weniger erfahrene Schreiber halten sich beim Überarbeiten meist nur an der sprachlichen Oberfläche auf. Auch ist das Überarbeiten für professionelle Schreiber ein Teil des gesamten Entstehungsprozesses eines Textes und nicht nur der letzte Arbeitsschritt kurz vor der Abgabe.
Beim wissenschaftlichen Schreiben gilt es außerdem, einen Überblick über die eigene Disziplin zu haben: Welche Probleme werden in der eigenen Diskursgemeinschaft diskutiert, was hat die Disziplin in der Vergangenheit gelernt, in welche Richtung entwickelt sie sich, wer sind die Schlüsselfiguren und wo ordnet sich hier das eigene Projekt des Autoren ein? Diese Kenntnisse wollen auch erst einmal erworben werden, und wenn man sich vor Augen führt, wie komplex das Schreiben ab einem bestimmten Entwicklungsstand wird, sind die eingangs erwähnten 20 Jahre sicher auch schnell vorbei…

Symphony of Science – Ode to the Brain

5. Juli 2011, by daspi No comments yet

Carl Sagan, Robert Winston, Vilayanur Ramachandran, Jill Bolte Taylor, Bill Nye und Oliver Sacks

YouTube Preview Image

Social Media Conference: Vortrag von Benjamin Loos

5. Juli 2011, by daspi No comments yet

Unter dem Titel „Freunde?! How to handle your friends – Freunde finden, Freunde halten, mit Freunden dealen“ sprach Benjamin Loos gerade auf der Social Media Conference in München. Loos beschrieb seine Erfahrungen mit Facebook. So bei etwas um die 300 „Freunde“ stellte er fest, dass er den Großteil von denen überhaupt nicht kannte und so dachte er sich, den 400. „Freund“ würde er gerne kennen lernen und im RL treffen, wo auch immer er in Deutschland wohne. Diese Nachricht setzte er über FB ab und hatte im Handumdrehen einige „Freunde“ mehr PLUS: RTL rief bei ihm an, hielt die Aktion für sendenswert (bei „Punkt 12“…) und klinkte sich ein. Kurz darauf machten sich Loos und einige RTL-Leute auf den Weg nach Magdeburg und verbrachten einen Tag mit der 400. FB-„Freundin“ des Herrn Loos.

Wie das dann so ist, so eine Aktion kann nicht einfach im Sande verlaufen, Loos wollte fortan auch den 600., 700., xten neuen „Freund“ treffen, irgendwann auch europaweit und ab dem 1000. „Freund“ gar weltweit und – es ist schon fast so „normal“ geworden, dass es mich fast langweilt – innerhalb kürzester Zeit war die 1000er-Marke geknackt und Herr Loos hatte ein Problem, nicht zuletzt mit seiner Frau, die wohl zurecht bemängelte, dass das soziale Web für eine RL-Beziehung ein bisschen asozial ist.

Der Referent beschrieb recht anschaulich sein Gefühlsleben als hoch und runter im Verlaufe der Aktion, beschrieb, was er unternahm, um die Leute bei der Stange zu halten (irgendwann gab es T-Shirts für jeden 50. „Freund“) und ging zum Ende des Vortrags auch noch auf ein Phänomen ein, welches mir bis dato gänzlich unbekannt war, nämlich das „Dealen“ mit Freunden.

Loos übertrug seine Erfahrungen schließlich auf das Handeln von Firmen im Social Web und an dem Punkt bin ich dann geistig ausgestiegen (*schnarch*).

Zum Schluss fasste er die Erkenntnisse, die er über seine Facebook-„Freunde“-Aktion gewinnen konnte in folgendem Dreisatz zusammen:

Social Media = Kommunikation
Kommunikation = Wertschätzung
Social Media = Wertschätzung

Echte Kommunikation, so Loos,  findet nur statt, wo Menschen sich wertschätzen und das ist glaube ich eine nicht ganz unwichtige Erkenntnis für das Lernen im Netz. Ich sah mich sogleich an eine meiner Kommunikationsmaximen erinnert, an der ich mich (wenn möglich) zu orientieren versuche (und die ich dereinst in einer Simpsons-Folge aufgeschnappt habe): „Wenn du nichts nettes über jemanden sagen kannst, sag lieber gar nichts.“

Ich wünsche mir immer wieder mal, das wäre eine allgemein verbindliche Maxime, die die Netzgemeinde mehrheitlich teile, würde es mir doch ersparen, beim Scannen irgendwelcher Diskussionen immer wieder unsachliche und vor dem Hintergrund dieser Richtlinie überflüssige Beiträge herausfiltern zu müssen (die i.d.R. sowieso zu nichts führen und alles andere sind als ein Pläsir). Ich halte Loos‘ Erkenntnis für eine der wichtigsten Lektionen, die man lernen sollte.

Der Vortrag, das muss ich wohl auch noch erwähnen, hat mich an anderer Stelle jedoch auch befremdet: Loos geht mit keinem Wort auf das Konzept  „Freund“ ein. Dass er anfangs 400 Leute als „Freunde“ hatte, die er mehrheitlich nicht kannte, scheint ihn anfangs verwundert zu haben, aber auch nicht weiter gestört. Und irgendwann scheint dann eine gewisse Gier eingesetzt zu haben – warum sonst hätte ihm (wie er berichtet) der erste verlorene „Freund“ schon auch ein bisschen geschmerzt. Woanders wurde ich gestern auf den Begriff der Loyalität aufmerksam gemacht und reflektiere selbigen seitdem im Hinterkopf und heute legte Loos dar, dass es mit der Loyalität solcher Online-Herden für gewöhnlich nicht weit her ist – man hat den Eindruck bekommen können, die driften wie Treibholz auf hoher See umher.

Vermutlich gehören Loyalität und Freundschaft aber irgendwie zusammen. Ist letztere ohne erstere eigentlich denkbar? Und wie ändert sich die Qualität letzterer, wenn erstere gegeben ist?

Ich halte den Freundesbegriff im Social Media-Kontext für unangebracht und ich meine, er bringt das Konzept „Freund“ in Misskredit. Nicht zuletzt deshalb ist mir die Herangehensweise von Google+ von vorn herein sympathischer, werden dort schließlich soziale Netzwerke nicht als „Freund oder nicht Freund“ sondern als „Circles“ modelliert.

Danke, Niederlande!

29. Juni 2011, by daspi No comments yet

Gestern war ein guter Tag. Ein guter Tag für die Niederlande und ich wünsche mir, dass irgendwann ganz Europa reif genug für einen solch positiven Tag sein wird.

Gestern hat sich das Parlament der Niederlande gegen das rituelle Schlachten von Tieren ausgesprochen und beschlossen, dass Tiere fortan vor dem Töten zu betäuben sind.

Sofort steigen natürlich Juden und Muslime auf die Barrikaden. Juden argumentieren in dieser Sache natürlich wieder gerne mit dem Nationalsozialismus, wollen sich doch Holocaust-Überlebende daran erinnern, dass damals mit dem Verbot ritueller jüdischer Schlachtungen alles begonnen haben soll – Deutsche in Holland sollen damals ein entsprechendes Gesetz als ersten Amtsakt erlassen haben.

So hat das (noch-) Oberhaupt der britischen Juden, Chief Rabbi Jonathan Sacks, gleich lautstark protestiert. Damals habe schon alles so angefangen – was, wenn’s jetzt wieder so kommt… Überall in Europa hätten Tierrechtsverfechter lange für dieses Verbot gekämpft und was, wenn es nun einen Domino-Effekt gebe…

Ja, was dann? Was, wenn Europa endlich mal den nächsten Schritt ginge und sich von einer unzeitgemäßen Barbarei lossagen würde, die das Leid auf diesem Planeten vermehrt?

104.000 holländische Juden sind dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen. Fakt. Mit diesem Unrecht jedoch ein anderes Unrecht rechtfertigen zu wollen, scheint mir doch ausgesprochen abstrus und weit her geholt.

Doch natürlich fühlen sich jetzt auch Muslime diskriminiert. “Wer hat die Autorität zu bestimmen, ob die Art und Weise ein Tier zu töten gut oder schlecht ist?” fragt Imam Mahmut von der El Tawheed-Moschee, der keinen Grund für das Verbot sieht. Antwort: Juden und Muslime mit ziemlicher Sicherheit nicht.

Es verwundert mich nicht, dass ausgerechnet Holland sich für Vernunft und vermeintlich europäische Werte ausspricht. (Soweit ich das sehe wird in keinem anderen Land derart offen diskutiert, ob sich der Islam mit liberalen Werten verträgt oder vielleicht eher nicht.) Auch Schweden und Luxemburg sowie Norwegen und die Schweiz haben rituelle Schlachtungen bereits verboten. Die EU verbietet zwar ausgesprochen halbherzig das Töten nicht betäubter Tiere, lässt aber bereitwillig Ausnahmen aus religiösen Gründen zu.

Es ist eigentlich doch ganz einfach: religiöse Freiheit hin oder her – sie endet dort, wo anderen Lebewesen (Mensch UND Tier) Leid zugefügt wird. Ein glaubwürdiger, aufgeklärter und liberaler Westen kann nicht alles, wofür hier Jahrhunderte lang gekämpft wurde, auf dem Altar der Toleranz opfern – nicht dort, wo diese Toleranz der Intoleranz Platz freiräumt.

Adam Rutherford, ein Herausgeber von Nature, bezieht sich in einer Äußerung auf Untersuchungen, die 2009 in Neuseeland zu dem Ergebnis gekommen sind, dass rituelles Schlachten unnötiges Leid verursacht. Das Urteil “suggests that the anachronism of slaughter without stunning has no place in the modern world and should be outlawed. This special indulgence to religious practices should be replaced with the evidence-based approaches to which the rest of us are subject.”

Bleibt zu hoffen, dass der niederländische Mut anderen europäischen Nationen ein Beispiel sein möge.

Quelle

Danke!

Dutch lawmakers to debate ritual slaughter ban

Holland will Schächten verbieten Holland hat Schächten verboten

Nachtrag 05.12.2011: Heute hat das Amtsgericht Buxtehude im ersten Strafverfahren gegen rituelles Schlachten in der BRD eine Geldstrafe von 1.500€ gegen einen muslimen Schlachter und seinen Schergen verhängt. Die Metzger waren von der Erna-Graff-Stiftung wegen Tierquälerei angezeigt worden, die Schlächter (sic.) hatten Widerspruch eingelegt, sind aber damit gescheitert. Bleibt zu hoffen, dass das Buxtehuder Urteil ein Zeichen nicht nur für den Rest der Republik, sondern irgendwann auch die restliche EU setzt.

Vom Umgang mit Neulingen, Skeptikern und Verweigerern

28. Juni 2011, by daspi No comments yet

In dieser Woche geht’s beim #opco11 also um das Thema Microlearning. Fein.

Ich höre nun von verschiedenen Seiten in persönlichen Gesprächen immer wieder, dass manch’ Studierende(r) hinsichtlich ITG ein bisschen anders tickt als die illustre opco-Schar. Von nicht sonderlich Web 2.0-begeisterten Studierenden höre ich, von solchen, denen all dieses Bohai um die weite Welt der Webwerkzeuge zu viel ist – denen vielleicht ja auch all die diversen Möglichkeiten zu viel sind.

In meiner Übung zum Autonomen Lernen aus diesem Semester war von Anfang an klar, dass die Gruppe sich face to face schon viel zu nahe stand, als dass ihr die Auslagerung mancher Diskussionsteile ins Internet (Olat) erforderlich erschienen wäre. Und ich kenne inzwischen mehr als nur einen Studenten, der computertechnisch gerade mal mit Word umzugehen vermag und den der ganze Rest recht wenig interessiert.

Mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Werkzeuge, mit deren Hilfe man sein eigenes Lernen gestalten kann, nehmen – und hier danke ich Dagmar Knorr für den Input – viele einfach das, was sie kennen, weil sie vielleicht weder wissen, was es sonst noch gibt, oder, was sie eigentlich bräuchten. Die Frage “Was bringt’s?” muss eine ebenso einfache wie überzeugende Antwort einbringen und die Frage “Was ist neu?” sollte auch in ein oder zwei verständlichen Sätzen beantwortbar sein. Und wie mich die Erfahrung gelehrt hat, muss man immer damit rechnen, dass die Antworten, die für einen selbst recht überzeugend und energetisierend sein mögen, das noch lange nicht auch für andere zu sein haben.

Wie bekommt man nun ITG-technische Einsteiger und/oder gar Verweigerer an den Punkt eines reflektierten Umgangs mit der Materie und ist dies, der reflektierte Umgang, überhaupt ein vernünftiges Ziel für alle? Auf welche Hürden und Widerstände treffe ich bei dem Versuch, die Vorteile an die Frau zu bringen? Und wenn jemand partout nicht will – was heißt das für denjenigen, für mich und für das Lernen?

Was mich interessiert, muss andere noch lange nicht begeistern.
Was für mich funktioniert, hilft anderen mit ihren Anliegen und Interessen vielleicht übnerhaupt nicht weiter.

Ich nehme mir mal vor, das über die nächsten Monate ein bisschen prominenter im Hinterkopf zu behalten.

 

Wo spukts in Deutschland?

26. Juni 2011, by daspi 2 comments

50kwords fragt gestern, ob es in Deutschland wohl “böse Spuk-Orte” gebe und da die Antwort nicht in ein eine Twitter-Nachricht passt, hier meine Antwort: Allerdings, die soll es geben… ;-)

Etwa die Teufelsmauer (Limes in West- und Süddeutschland). Im „Geographischen Statistisch-Topographischen Lexikon aus Franken“ von 1801 steht dazu: „Es habe einst der Satan einen Anteil des Erdkreises von Gott verlangt und dasjenige Stück erhalten, das er, eher der Hahn krähe, mit einer Mauer umschließen würde; der Teufel habe darauf diese Mauer, die durch die ganze Welt gehe und auf welcher der Ewige jude, der Christo auf dem Kreuzwege keine Ruhe gönnte, immer um die Welt herumlaufen müsse und alle sieben Jahre wieder auf den nämlichen Platz käme, gemacht; allein ehe er ganz damit fertig war, habe der Hahn gekräht, und der Teufel, aus Wut betrogener Hoffnung, habe das ganze Werk mit Ungestüm auf den Haufen geworfen.“ In den Regionen um den Limes herum lassen sich vermehrt Berichte von bemerkenswerten Ereignissen finden, was gemeinhin auf die Länge der Stationierung römischer Soldaten in diesen Gegenden zurückgeführt wird.

Im Mummelsee im Schwarzwald hieß es viele Jahrhunderte, Kobolde und Wassermännlein würden darin wohnen. Eduard Mörike widmete dieser Lokalität seine Ballade „Die Geister am Mummelsee“. Athanasius Kirchner (ein Jesuit und Zeitgenosse Grimmelshausens) schreibt: „Wir kamen, nachdem wir mühsam wie die Ziegen geklettert waren, zu einem von dunklen Fichtenwäldern umsäumten See, voll pechschwarzen Wassers. Dieser See hat und duldet keine Fische, und wenn man welche hineinbringt, wirft er sie wieder aus wie das Meer die Leichen. Ja nicht einmal den Teichfrosch oder den Wasserläufer nährt dieser gänzlich unfruchtbare See in seinen traurigen Wellen. Nur einige große und scheußliche Kröten habe ich angetroffen – und auch die waren verendet. In dem Gewässer aber lebten zahlreiche, etwa spannenlange Tierchen, die Salamandern oder Steinechsen stark ähnelten.“ In „Mundus subterraneus“ (1678) ist der See mit toten Drachen abgebildet und beschrieben, welche unheimliche Geschichte sich dahinter verbirgt…

Den Druidenstein bei Nürnberg nutzen angeblich heute noch Hexen als Tanzplatz. Der Sage nach wurde der Stein von Nachtgeistern durch die Luft geschleppt und dort fallen gelassen, wo er heute liegt, als justament der Hahn krähte. Da der Stein eine lange Mulde aufweist, wird er auch oft als kultische keltische Opferstätte interpretiert.

Der Hohe Meißner ist auch als „Berg der Frau Holle“ bekannt. Noch Anfang des letzten Jahrhunderts rieten selbst belesene Leute, diesen „unheimlichen Berg“ nur im Schutze einer Gruppe zu besteigen… Am Westrand des Berges findet sich die „Kitzkammer“, wohin auch heute noch Frau Holle untreue Eheweiber in Gestalt von Katzen verbannen soll.

Die Milseburg in der Rhön ist, was Sagen angeht, sicher einer der bekanntesten Berge der Rhön. Der Name des Berges verweist auf den Riesen Mils, welcher gegen das Christentum gekämpft hat. Wie wir heute wissen, hatte er keinen Erfolg, er was unterlegen und beging Selbstmord. Der Teufel, der immer sein treuer Diener gewesen war, schüttete ein Riesengrab über der Leiche auf, das im Volksmund auch als „Totenlade“ bekannt ist und das eben ist heute der Berg.
Es gibt da auch noch die Geschichte vom Ritter Gangolf. Der hatte ein recht streitbares Weib zuhause und nahm sich die Milseburg als Rückzugsort von seiner zänkischen Frau. Aus Fulda brachte er den Gangolfbrunnen auf den Berg. Das Wasser daraus soll noch heute gut gegen Augenbeschwerden helfen. Irgendwo am Berg soll auch noch der Keller sein, in dem Gangolf seine Schätze aufbewahrt.

Der Oybin in der Oberlausitz war schon vor 3000 Jahren besiedelt. Im ausgehenden Mittelalter hatten die Herren von Laipa dort einen Jagdsitz, den sie als Basis für ihre Raubzüge nutzten, im Zuge derer sie Handelsleuten immer wieder schweren Schaden zufügten. 1364 begann man ein Kloster dort zu bauen, das Mitte des 16. Jahrhunderts vom Blitz getroffen wurde, ausbrannte und anschließend auch noch von einem Felssturz getroffen wurde. Es soll dort ein „heiliger Schatz“ gelagert sein, Teil des Domschatzes aus Prag. Unter den Kostbarkeiten: „das Haupt des Heilkligen Lukas“, „das Haupt der Gemahlin des heiligen Sigismund“ und „Reste der heiligen elftausend Frauen“. Bis heute ranken sich viele Geheimnisse und Rätsel um den Berg.

Nordwestlich des Bodensees findet sich der Hohenkrähen. Darauf eine Burgruine. Im 15 Jahrhundert wohnte dort der Burgvogt Vast Popolius Maier, der seinen Bruder aus Habsucht ermordet haben soll; man schreibt ihm auch zu, den Abt eines schwäbischen Klosters fort fast zehn Jahre lang bei Wasser und Brot gefangen gehalten zu haben. Der Abt zückte irgendwann  ein altes Zauberbuch, verfluchte Poppele und der fiel darauf vom Pferd, brach sich das Genick und wurde zum Gespenst. Seither muss er als Geist umherwandeln.

Vielleicht finden sich auch noch einige negative Energien in Kaisheim. Im 14. Jahrhundert gab es dort im Kloster einen Mönch, dem die Regeln des Klosters viel zu lasch waren und der deshalb für sich selbst beschloss, zeitlebens das Kloster für keinen einzigen Tag mehr zu verlassen. Satan fand diesen Typen dann ausgesprochen reizend, denn, würde es ihm gelingen, mit diesem Frömmsten aller Frommen fertig zu werden, dann wären alle anderen nur noch Formalität. Satan fuhr also in die Tochter des HERZOGs von Kärnten. Mönche kamen, wollten ihn austreiben, aber er meinte, nur der fromme Mann in Kaisheim könne das. Nun war der Abt in Kaisheim aber klüger als der Teufel, denn er befreite den Mönch von seinem Gelübde, der dann also nach Kärnten ging und den Teufel in einem Glas einfing. Das nahm er dann mit nach Kaisheim, wo es 200 Jahre als Attraktion und Warnung unter dem Dach stand, mit dem Teufel darin. Als der Blitz irgendwann ins Dach einschlug, gelang es dem Teufel, zu entkommen.

Im Schloss Tegel in Berlin Reinickendorf weiß man von einem Poltergeist zu berichten. So steht im „Deutschen Sagenbuch“ von Bechstein: “Zunächst entsprach dieses Gespenst seiner Natur durch Poltern, dann begann es mit Steinen nach den leuten zu werfen, welche Steine zum Überfluß sehr heiß waren und mutmaßlich unmittelbar aus dem Kalkofen der Hölle. Man hörte es auch mit Peitschen in den Stuben knallen, und auf diese Weise war seine gesellschaft keineswegs angenehm. Mit dem Feuer ging das Gespenst ganz gefährlich um, und die Eßwaren ließ es auch nicht unangetastet. Auch zeigte es sich bisweilen sichtbar, bald groß, bald klein, bald schwarz, bald weiß, bald eins, bald zwei, auch zu dritt beliebte es sich sehen zu lassen.“
Die Geschichte um den Spul im Schloss Tegel nahm dann irgendwann bizarre Züge an: Der Kritiker Friedrich Nicolai behauptete bei einem Vortrag vor der Akademie der Wissenschaften in Berlin, er kenne derlei Spuk, sei aber davon geheilt worden, indem sein Arzt ihm Blutegel am Allerwertesten angesetzt habe. Goethe, der mit Nicolai wegen dessen Engstirnigkeit schon manches Mal im Clinch gelegen hatte, verewigte Nicolai dann in der „Walpurgisnacht“ im ersten Teil des Faust als „Proktophantasmist“ in der literarischen Kultur unseres Lande:

„Ihr seid noch immer da! Nein, das ist unerhört.
Verschwindet doch! Wir haben ja aufgeklärt!
Das Teufelspack, es fragt nach keine Regel.
Wir sind so klug, und dennoch spukt’s in Tegel.
Wie lang hab‘ ich nicht am Wahn hinausgekehrt,
Und nie wird’s rein; das ist doch unerhört!
Ich sag Euch Geistern ins Gesicht,
en Geisterdespotismus leid‘ ich nicht;
Mein Geist kann ihn nicht exerzieren.
Heut‘ seh‘ ich, will mir nichts gelingen;
Doch eine Reise nehm‘ ich immer mit
Und hoffe noch, vor meinem letzten Schritt,
Die Teufel und die Dichter zu bezwingen.“

Pleticha & Müller (2000): Mythische und magische Plätze in Deutschland – Höhlen, Wunder, Heiligtümer. Freiburg: Herder.

Pro Infirmis

24. Juni 2011, by daspi No comments yet

Ein- und Ausgrenzung via bildhafter Symbole:

YouTube Preview Image

Dankend gesehen bei Florentina Sauerbach.

Vielleicht sollte man mal ein paar dieser Bären in die Krisenregionen der Welt entsenden statt Soldaten.

Pro Infirmis

 

Open Course 2011 – Sitzung 8 “Lernen kann doch jeder, oder? Über Kompetenzen und Bildung”

23. Juni 2011, by daspi 19 comments

 

@TwInfoManager twittert nach der achten Opco-Sitzung: “Also neben den Inhalten (die ja dokumentiert sind) war vor Allem das Format eine echte Bereicherung für mich!” und drückt damit im Grunde auch mein Fazit aus.

Format

Christian Spannagel, der die achte Sitzung für den Open Course gestaltete, dachte sich als Lernszenario für die Teilnehmer Folgendes aus: in einem Wiki wurden vorab Themenfelder eröffnet und Informationen dazu bereit gestellt. Diese Themenfelder umfassten: die Frage nach Bildungsstandards; die Frage, ob informationstechnische Grundbildung (ITG) ein eigenes Schulfach haben sollte; die Frage nach IT-Kompetenz im Alter; die Frage, wie man Lehrende dazu anregt, sich hinsichtlich IKT auf einem aktuellen Stand zu halten; die Frage, ob Bildungsstandards überhaupt noch zeitgemäß sind; und: die Frage, ob auch freie Trainer/Coaches in Sachen IKT auf dem neuesten Stand zu sein haben.

Den kommunikativen Ball spielte Christian Spannagel in Form vorstrukturierter Etherpads an die Teilnehmer weiter: im Vorfeld der Online-Sitzung konnten hier (asynchron) Diskussionsbeiträge geleistet werden. In einem 30minütigen Sprint sollten dann (synchron) inhaltliche Ergebnisse produziert werden. Natürlich waren diese 30 Minuten reichlich knapp bemessen, aber egal, ich persönlich finde jedenfalls: bereits die Vorstellung dieses doch recht neuen Formats war der Teilnahme wert.

Ich hätte mich gerne auch in den anderen Etherpads beteiligt. Das war aber in der knappen Zeit nicht zu leisten. Ich würde mir daher für eine Neuauflage des Formats wünschen, dass entweder in dersehr kurzen Zeit alle nur an einem Etherpad arbeiten (wobei man dann glaube ich beachten muss, dass in der kostenfreien Version von Etherpad max. 16 TN das Pad editieren können). In “meinem” Pad waren drei oder vier Leute – das schien mir zu klein, da nicht alle gleich umfangreich beitragen.

Inhalte

Die eigentliche inhaltliche Arbeit wurde in den Etherpads geleistet – asynchron und über einige Tage im Voraus zur Präsenz. Das hat auch ganz gut geklappt, sind doch interessante Punkte in die Pads eingetragen worden, von denen es sich lohnen würde, den ein oder anderen nochmals aufzugreifen.

Relativ überraschend ist für mich die Erfahrung, dass die inhaltliche Arbeit in Präsenz bei diesem Format – so wie es diesmal gelaufen ist – viel zu kurz kam. Anfangs lies sich die Diskussion im Pad etwa zäh an – vielleicht aufgrund der dort geringern TN-Zahl. Mir nicht ganz klar war in dieser Phase der Zusammenhang zwischen dem Text im Pad und dem Chat daneben: sollte die Diskussion nun an den Text anschließen und über ihn hinaus gehen, oder sollten wesentliche Punkte aus dem Pad zusammengetragen werden?

Die knappe Zeit und eine zu geringe Anzahl aktiv Beitragender stand einem wirklich fruchtbarem Miteinander im Pad etwas im Wege, aber so wie ich das sehe, lief das in anderen Pads durchaus auch anders. Wenn die Gruppengröße, -zusammensetzung und -chemie stimmen, kann es auch funktionieren. Ich sinniere nun also noch weiter darüber nach, was den inhaltlich fruchtbaren Austausch in so einem Format begünstigt und bin sicher, dass Blogbeiträge anderer Teilnehmer hierzu Denkanstöße liefern werden.

Der Mehrwert – doch wieder “nur” soft skills?

In der Sitzung wurde mir schnell klar, dass selbst Vieltwitterer und ITG-beflissene Menschen noch in einem Lernprozess strecken, was das Web 2.0 angeht. Ich beziehe das nicht nur auf den streckenweise doch recht technikfehlerbehafteten Ablauf (mehr Bandbreite, bitte!). Ich lerne selbst über die digitale Kommunikation mit anderen dazu und stelle fest, dass auch andere noch einiges lernen und (zum Glück) noch zu lernen haben.

Nicht unspannend finde ich eine Einlassung von Sabine Hueber unter dem Titel “Der wundersame Lerneffekt von Chaoskursen“.

Frau Hueber erwähnt  “alternative Identitätsentwürfe” und die “Entwicklung eigener Verhaltensspielräume” im Internet. Konkret äußert sie “Bedenken” hinsichtlich des persönlichen Stils Christian Spannagels, der gerne mit der dunklen Seite kokettiert. Frau Hueber sah für sich zunächst die Gefahr geschäftlicher Nachteile in dem Fall, dass ihre Kunden weniger tolerant seien als sie selbst, wurde aber nun durch den Opco dazu angeregt, sich mit dem Recht eines jeden auf einen eigenen Persönlichkeitsentwurf auseinanderzusetzen.

Das war für mich erst mal ein dickes Ding. Ich stelle mir also vor: Ich bin selbstständig und kommuniziere ab und an mit einem Goth, Hippie oder sonstwas, weil ich den inhaltlichen Austausch als bereichernd empfinde. Kommt Kunde X und sagt: “Gothics find ich doof.” und kündigt mir die Geschäftsbeziehung. Ähm…

So hab ich das nun noch gar nicht gesehen, dachte ich mir. Und ich denke, ich will das so auch gar nicht sehen. Es gibt Punkte, über die man nicht mehr diskutieren müssen sollte und das Recht, so sein zu dürfen wie man ist, gehört in einer freiheitlichen Gesellschaft m.E. dazu. Wenn also meine Kunden ein Problem damit haben, dass ich einen Teil meines individuellen Lernweges mit einem Headbanger beschreite (noch dazu einen, der sich nicht erst seit gestern als kompetent erwiesen hat), dann ist das vermutlich der Punkt, an dem es meine moralische Verpflichtung ist, meinen Kunden ein Stück weit zu erziehen und, so er lieber weiter seine Scheuklappen aufbehält, zu sagen, fein – dann passen wir vielleicht nicht so gut zusammen, denn ich bin tolerant.

Mir ist also gestern aufgefallen, dass mir der individuelle Stil irgendwelcher E-Lerner ziemlich wurscht ist. Es interessiert mich nicht, ob Herr Spannagel einen schwarzen Hut trägt und Lacrimosa hört oder nicht – dazu ist der fachliche Input, den er liefert, für sich allein genommen schon viel zu spannend. Der Gedanke, dass andere schlaue Leute die Form über den Inhalt stellen könnten, macht mich etwas trübetassig.

Mir ist auch aufgefallen, dass auch online bestimmte Kommunikationsnormen gelten, gegen die man nicht verstoßen sollte. Man stelle sich vor: eine Gruppe sitzt an einem Tisch und bespricht sich, die Tür geht auf, jemand kommt rein, stellt sich daneben, sagt “Alles Quatsch hier.” bleibt kurz stehen und zischt wieder ab, dann hat man von einer solchen Person relativ schnell eine Meinung. Das funktioniert auch online. Ich war sehr überrascht festzustellen, wie unsympathisch einem Leute, die man gar nicht kennt, mit nur einen einzigen Satz werden können und das gilt natürlich auch für mich selbst.

Ich denke derzeit also über die Notwendigkeit des Filterns nach. Ich filtere Informationen und ich filtere Personen. Nach welchen Kriterien und mit welchen Zielen?

Eins davon ist sicher: die Übersicht bewahren.

Strich drunter

Ich bin Herrn Spannagel sehr dankbar für den Mut, etwas Neues auszuprobieren. Vielleicht sind wir derzeit noch in einer Phase, in der es einfach notwendig ist, sich noch etwas länger mit dem Medium und seinen Möglichkeiten aufzuhalten. Dass ich gestern inhaltlich nicht so richtig was gelernt habe, kann ich verschmerzen, da ich methodisch profitiere.

Diese Etherpad-Geschichte werde ich vermutlich selbst ausprobieren. Vielleicht würde ich dann aber zunächst mehrere Leute in einem Pad versammeln. Und natürlich mehr Zeit einplanen. Und nicht so viele Themen anbieten. Und die Beziehung zwischen dem Pad und dem dazugehörigen Chat definieren. Was auf jeden Fall klug war, ist, nicht allein auf synchrone Kommunikationsereignisse zu bauen, wenn man Ergebnisse produzieren will. Alles in allem ein vielversprechendes Format. Danke opco.

Exposé – das Wichtigste zum Nachlesen

3. Juni 2011, by daspi 1 comment

Wie angekündigt kann hier die wwf-Datei (kann mit jedem pfd-Reader geöffnet werden) zur Nachlese heruntergeladen werden. Viel Erfolg!

Lernbegeisterung in VLEs und PLEs – tendenzielle Beobachtungen

29. Mai 2011, by daspi No comments yet

Monika König stellt fest, dass es bei institutionellen Bildungsanbieter oft an einer ausreichend interessierten Teilnehmerschaft mangelt, um das entstehen zu lassen, was sie eine „Community“ nennt.

Ich möchte diesen Gedanken kurz aufgreifen und anhand meiner eigenen Erfahrungen untermauern:

Zum einen ist das die Universität. In meiner Übung zum Autonomen Fremdsprachenlernen stelle ich in diesem Semester wieder ein LMS (OLAT) zur Verfügung, dessen Nutzung im Großen und Ganzen frei steht, welches allerdings als Netzlaufwerk ganz gut genutzt wird. Im Forum fasse ich Diskussionsinhalte aus der Präsenzsitzung nochmals zusammen und stelle Diskussionsinhalte, die in der Präsenz zu kurz kommen, online zur Disposition – ein Angebot, welches nicht angenommen wird. Das Wiki wird als unverhältnismäßig kompliziert erlebt, der Mehrertrag ist nicht deutlich ersichtlich.

Ich höre von Studierenden, dass sie sich ohnehin im RL oft genug treffen und dann lieber f2f diskutieren, als sich dazu extra noch mal in die dreiunddreißigste Plattform einzuwählen und dort was einzutippen. Und natürlich haben nicht alle Besucher der Präsenzveranstaltung überhaupt groß Lust auf Diskussionen, weder im RL noch virtuell.

Sicherlich hätte ich mit einem vernünftigen didaktischen Konzept ein fruchtbares Nutzen des LMS wahrscheinlicher machen können. Doch als ich dies im Vorfeld erwog, entschied ich mich neben den eben genannten Gründen v.a. auch dagegen, weil Inhalte im LMS so eingesperrt sind. Ist die Lehrveranstaltung erst mal gelaufen, war’s das dann auch mit der Entwicklung der Inhalte. Mit nicht-insitutionalisierten Ressourcen lässt sich leichter auch nach der Veranstaltung noch etwas sinnvolles anfangen. Und ich habe den Eindruck, dass auch darin ein Motivationssauger für die Studierenden liegt: What happens in Vegas stays in Vegas. Aber man selbst macht sich alsbald wahrscheinlich auf und verlässt dieses künstlich beatmete Wüstenloch. Und dann bin ich bei der Frage, die @diegoerelebt in Woche 4 des #opco aufwarf: Wenn ich weiß, dass ich beim Auszug meine Sachen mitnehmen kann, ziehe ich lieber ein, als wenn ich weiß, alles, was ich in diese vier Wände reininvestiere, sehe ich irgendwann nicht wieder. Und so denke ich inzwischen: ich hätte nicht überlegen sollen, ob ich evtl. ein LMS für die Veranstaltung einsetzen sollte, ich hätte mir Gedanken machen sollen, wie ich die in der Gruppe vorhandenen PLEs einbinde. Wie gesagt: hätte.

Um den ersten Punkt hier mal an dieser Stelle abzuschließen: Ich sehe wie Monika, dass an der Universität häufig die interessierte „kritische Masse“ fehlt, die Lerngemeinschaften zum Selbstzünder werden lassen kann. Das Desinteresse mag sowohl auf individuell anders verteilte Interessensschwerpunkte als auch auf das fehlende Bedürfnis zurückzuführen sein, Teil einer virtuellen Gemeinschaft zu werden. Gerade Letzteres ist sicher eine Entscheidung, die jeder frei treffen können sollte.

Meine zweite Erfahrung speist sich aus einer Weiterbildung zum E-Trainer, die ich zur Zeit absolviere. Dort, so sollte man meinen dürfen, kann gleiches Interesse wohl vorausgesetzt werden, haben sich alle Teilnehmer doch bewusst zur Weiterbildung entschieden; somit sollte eine gewisse Bildungsaffinität den kleinsten gemeinsamen Nenner bilden können.

Dass bereits das eine zu idealistische Annahme ist, erlebt ich bereits beim kick-off der Veranstaltung: ein satter Anteil der TN bekannte, von den Vorgesetzten zur Teilnahme genötigt worden zu sein. Und ich dachte mir: na herzlichen Glückwunsch an alle Freiwilligen in der Lerngruppe!

Auch hinsichtlich der Frage der Nutzung von Online-Kommunikationsmitteln zeigen sich Unterschiede. Während die einen im Forum des LMS munter drauf los posten, ächzen die anderen unter der hohen Leselast. Während einige ein Wiki inzwischen mit der gleichen Abgeklärtheit nutzen, die sie auch ihrem Textverarbeitungsprogramm entgegen bringen, lernen die anderen mühsam und widerwillig die Grundlagen der Wiki-Formatierung.

Den VLEs, die ich bisher genutzt habe, gelingt es nicht, hinsichtlich des Faktors Lernbegeisterung homogene Lernergruppen zu erzeugen, dabei scheint gerade das ein Knackpunkt zu sein. Offene Lernumgebungen (etwa der #opco) stehen da besser da.

Wer also wie Monika König mit intrinsisch motivierten Leuten lernen will, die Erkenntnisinteressen und sowohl rezeptive als auch produktive Begeisterungsfähigkeit teilen, damit ein sonores und geschäftiges Hintergrundbrummen entsteht, als würde man auf einem Erdhummelnest liegen, der kann sich den Luxus eines Lebens außerhalb sozialer Netzwerke doch kaum noch leisten, oder?

« First‹ Previous678910Next ›Last »

Currently on my mind: Notable quote

"I find myself often idle, vagrant, stupid and hollow. This is somewhat appalling and if I do not discipline myself with diligent care I shall suffer severly from remorse and a sense of inferiority hereafter. All around me are the industrious and shall be great, I am indolent and shall be insignificant." (Ralph Waldo Emerson)

Feed abonnieren

 Subscribe in a reader

Recent tweets

  • @mkarbacher Wissen tu ich es nicht; da ich nichts davon gehört habe gehe ich momentan davon aus, dass sie nicht aufgezeichnet werden. #jfhm
  • @h1moodle "Wahl eines anderen Mediums" - exzellent! Hatte grad auf G+ verkündet, weniger zu twittern und *schwupps* kommst Du :-)
  • @h1moodle ...und dann ist da ja noch G+...
  • @h1moodle Manchmal ist genau das der Blick, den ich nicht hab :-) Einen chronisch überfüllten Google Reader hab ich auch...
  • @h1moodle Klar, Kommentare allzeit willkommen! Bin mal wieder auf der Suche nach einer Forschungsfrage...

Tag Cloud

#change11 #lndah #owi bewerten dgff digitale Wende digital literacy eLearning ePortfolio foreign language research formales formatierung humanismus ILM11 International Literacy Management learning lernen Lernumgebung Literacy Material mobile learning mooc Peer Tutoring Plattform PLE Powerpoint reason Schreibberatung Schreiben Schreibprozess Schreibzentrum Schule science Skript symphony of science Tablet Tools Twitter Vernetzung vernunft VLE Web 2.0 wissenschaft word Workshop

Categories

Get in virtual touch

* Required field

Follow me

Twitter
Copyright © 2011 danielspielmann.eu. All Rights Reserved. Remember Emerson: “The imitator dooms himself to hopeless mediocrity.”