Da es beim Open Space in Bochum keine Möglichkeit geben wird, irgendwas über einen Beamer zu zeigen hier die Erläuterung meines Diskussionsvorschlages in Bild und Wort.
Da es beim Open Space in Bochum keine Möglichkeit geben wird, irgendwas über einen Beamer zu zeigen hier die Erläuterung meines Diskussionsvorschlages in Bild und Wort.
„Vernetzung“ ist ein schönes buzzword und für mich macht das eine digitale Präsenz unumgänglich. Wenn ich Anschluss einen fachlichen Diskurs suche, muss ich signalisieren, dass ich Interesse daran habe, muss Kommunikations- und damit Lernbereitschaft signalisieren und das tue ich nicht, indem ich mir denke „Das Netz ist Spielerei und klaut mir nur meine Zeit und deswegen nutze ich nur E-Mails, die ich einmal am Tag checke.“
Vortrag von Prof. Dr. Spannagel (PU Heidelberg): Persönlichkeitsentwicklung im Web 2.0 – E-Learning zwischen Todsünde und Tugend?
Als Kompetenzen gelten landläufig: Sozialkompetenz (Kooperation, Entwicklung), Methodenkompetenz, Fachkompetenz usw., Personalkompetenz wird oft weniger beachtet
Spannagel berichtet über seine persönlichen Erfahrungen, er hält keinen wissenschaftlichen Vortrag.
Spannagels Erstkontakt mit Blogs und Wikis fand in den Jahren 2006/2007 statt. In seinem Weblog sammelte er zunächst eigene Erfahrungen, bevor er es in der Lehre einsetzte. 2008 fand das erste EduCamp in Ilmenau statt, im Rahmen dessen (seitdem jährlich) der Nutzen des Web 2.0 in der Lehre diskutiert wird.
Web 2.0-Kommunikation erfordert niedrige Reaktionszeiten, um Konversationen am Laufen zu halten.
Spannagel nutzt Wikiversity, um seine Arbeitsprozesse öffentlich zu machen. Ein möglicher Mehrwert ist dabei das Finden von Anknüpfungspunkten mit Menschen, die sich für ähnliche Inhalte interessieren. Spannagel nutzt Wikiversity, um Vorträge vor- und nachzubearbeiten, stellt Konferenzmitschriebe online und erhält damit eine Art Online-Notizbuch. Weblog und Wiki erachtet er als das digitale Rückgrat seiner inhaltlichen Arbeit (als er 2010 zeitweise aus dem Web 2.0 ausstieg, waren diese beiden Werkzeuge die einzigen, die er weiter zu nutzen gedachte).
Soziale Medien wie Twitter schließlich nutzt er, um seine Arbeiten aufmerksam zu machen und eine gewisses Maß an „Grundvernetzung“ zu erreichen. Als er Web 2.0-Werkzeuge dann in der Lehre einsetzte erhielten seine Studierenden über sein Netzwerk leichter Anbindung an eine interessierte Community.
Prof. Spannagel präsentiert sieben kritische Punkte, die bei der Verwendung von Web 2.0-Technologien in der akademischen Lehre relevant sind. Seinem Stil entsprechend orientiert es sich dabei an „sieben Todsünden“.
1. Habgier
Web 2.0-Werkzeuge sind kostenlos. Man kann haben, haben, haben und immer mehr noch haben. Man kann haben, ohne jemandem etwas wegzunehmen. Das Web 2.0 erzeugt eine Haltung des Haben-Wollens, gleichzeitig aber auch eine Bereitschaft zu Teilen. Spannagel spricht sich für eine Haltung des Teilens v.a. bei Lehrenden und in den Wissenschaften aus. Das Zurückhalten von Information lässt sich nicht Spannagels Verständnis von Wissenschaft vereinbaren.
2. Völlerei, Maßlosigkeit
Ständige Aufnahme von Information ist jederzeit möglich. Schnell vernachlässigt man das wirkliche Leben.
3. Faulheit
Mit der Prokrastination ist die Frage der Relevanz verbunden. Was ist wann bis zu welchem Maße relevant?
4. Superbia
Man vernetzt sich mit Leuten mit gleichen Interessen. Wenn dabei alle einer Meinung sind, entsteht aus dem Austausch nichts, im Web nur bebauchpinselt zu werden hilft einem nicht, sich zu entwickeln.
5. Wollust
Berufliches und Privates verschränken sich immer mehr, was Spannagel nicht unbedingt negativ bewertet. Der Auftritt im Web 2.0 bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Distanz und Nähe. In einer persönlichen Erfahrung wurde Spannagel im Netz mit einer „großen persönlichen Unehrlichkeit“ konfrontiert, die ihn noch immer beschäftigt und die der Grund für seinen zeitweisen Ausstieg war. Sounds familiar.
Alternative Deutung für Wollust: „Lust am geistigen Exhibitionismus“.
Unter’m Strich ist im Netz jeder ein kleines Licht und niemand der Nabel der Welt. Diese Perspektivierung ist nicht unwichtig.
6. Zorn, Rachsucht
Im Netz wird viel getrollt.
7. Neid
Das Netz als Spielwiese der Eitelkeiten.
Spannagels Fazit:
- Das Netz hat ihn verändert.
- Wer Kontrolle abzugeben bereit ist, bekommt die Chance, Dynamiken aufzunehmen.
- Das Netz kann Selbstreflexion anregen: „Darüber muss ich mal bloggen.“ als Synonym für „Darüber muss ich mal reflektieren.“
"I find myself often idle, vagrant, stupid and hollow. This is somewhat appalling and if I do not discipline myself with diligent care I shall suffer severly from remorse and a sense of inferiority hereafter. All around me are the industrious and shall be great, I am indolent and shall be insignificant." (Ralph Waldo Emerson)